Porträts von Medienverweigerern:

Seit sie denken kann, hat ELFRIEDE DÜCK (71) mit den Medien nichts anfangen können. Die Münchnerin lehnt sie alle gleichermaßen ab und ist somit selbst unter den Medienverweigerern eine Ausnahme. „Ich habe soviele eigene Gedanken, da muß ich mich nicht noch mit fremden Gedanken in Zeitungen und Fernsehen
beschäftigen." Vermißt hat sie die Medien ihren Angaben zufolge noch nie, und Nachteile ihres Verzichts fallen ihr keine ein. „Menschen, die nichts besseres in ihrem Leben zu tun haben, sind einfach nur zu bedauern", sagt sie. Ihrer Meinung nach vergeht der Tag ohnehin schon viel zu schnell. Die bunte Welt in ihrem Innenleben sei doch viel interessanter als jegliches Fernsehprogramm. „Die kostbare Zeit verwende ich besser, indem ich meine eigenen Phantasien laufen lasse, statt fernzusehen." Die Erfahrung hat ihr gezeigt, daß sie ohne Medien viel kreativer ist. Dies setzt die ehemalige Lehrerin heute in ihren Töpferwaren um. Ansonsten liest sie gerne Bücher, hält sich mehrmals in der Woche fit, geht gerne in Konzerte oder Bergwandern. Als Außenseiterin hat sie sich nie gefühlt. Und uninformiert bleibt sie auch nicht: „Meine Freunde können es doch gar nicht erwarten mir irgendwelche Neuigkeiten brühwarm zu erzählen."
 



 
 
BRUNO THIERFELDER (51) ist Facharzt für Allgemeinmedizin und verzichtet seit 18 Jahren auf das Fernsehen. Eigentlich steckt für ihn gar keine große Ideologie dahinter. Früher war ein Apparat im Haus, aber eines Tages mußte er repariert werden. In dieser Zeit stellte die Familie fest, gar keinen Fernseher zu brauchen. Schnell war er vergessen und so wuchsen auch die Kinder ohne den Phantasie-Töter" auf. „So wie TV derzeit betrieben wird, ist es wirklich zu übersetzen mit totaler Verblödung", meint er. Trotzdem kann er sich vorstellen, im Alter wieder auf das Fernsehen zurückzugreifen. „Zehn Prozent positives spuckt die Kiste immerhin aus." Um sich zu informieren liest er häufig und gerne
Tageszeitungen. Fachzeitschriften muß er schon von beruflicher Seite her nutzen. In seiner Freizeit musiziert der Ingolstädter oft und hört auch gerne Musik. Die Dauerberieselung durch Radiomusik hält er dagegen für fatal. Seiner Meinung nach sollte Radio nur bewußt und aufmerksam gehört werden, aber nicht nebenbei in Gaststätten, Supermärkten oder zu Hause in der Küche. Generell spricht er sich gegen jeden Informations- und Unterhaltungsmüll aus. So etwas sei einfach akustische Umweltverschmutzung.


 
 

PETER DEINERT* (38) ist von Beruf Journalist aber in seiner Freizeit leidenschaftlicher Medienverweigerer. Zu dieser ungewöhnlichen Kombination kam es, als der seit Jahren medienabstinente Biologe einen Job bei einer Zeitung angeboten bekam. Tages- aktuelle Informationen braucht der Hamburger auch für die Arbeit nicht, da seine Beilage nur monatlich erscheint. Zu seiner Haltung Medien gegenüber äußert er sich nur ungern, da er die missfälligen Bemerkungen vor allem von Kollegen scheut. So will er auch hier nicht namentlich genannt werden, um nicht „auf ewig abgestempelt" zu sein und sich letztendlich „keine Aufträge zu verbauen". In seinem Bekanntenkreis weiß jeder, daß er nur an seinem Arbeitsplatz auf einen Computer zurückgreift und auch sonst keine Zeitung liest, nie Radio hört oder fernsieht. Seiner Meinung nach lenken Fernsehinhalte vom tatsächlichen Tagesgeschehen ab. Zudem hält er die Strahlung von Fernsehern und Computern für schädlich. Eine Entspannung stellt er beim Konsum von Medien generell nicht fest. Neue Informationen und Bilder müßten später ja doch wieder verarbeitet werden. Statt dessen hört er viel lieber CDs, ist handwerklich tätig und reist gerne.
(*Name geändert)


Aus dem Artikel im "journalist 2/99" über die Diplom-Arbeit „Medienverweigerer – Eine explorative Studie zu Formen des bewußten Medienverzichts" am Institut für Kommunikationswissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München von Uschi Braun.

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