Zitate der Medienverweigerer:
Allgemein:
Negative Nachrichten sind wie schlechte Nahrung und verderben den Appetit und
Tag.Ein freier Kopf ist mir genauso wichtig, wie eine freie Nase.
Die ganzen Medien zielen immer mehr darauf ab, die Sensationslust der Zuschauer zu befriedigen.
Realitäten werden verzerrt, man will auch so „toll" sein. Die Realität macht dann eher schlechte Laune.
Berichte über das „Gute" fehlen mir.
Zitate zu TV:
Ich habe selbst bei Filmen und Fernsehsendungen gearbeitet und weiß welcher
Beschiss hier oft geschieht.Angeblich entspannt das Fernsehen – ich behaupte, es macht schlapp, lahm, unkreativ und süchtig.
Unsere Tageszeitung liefert uns unaufgefordert wöchentlich ein Fernsehprogramm.
Ich überfliege regelmäßig dieses Programm und beglückwünsche mich mindestens
einmal wöchentlich zu meiner Fernsehabstinenz!Mein Leben ist zu kurz für „Gute Zeiten, schlechte Zeiten".
Meine Frau findet, ein Fernseher verdirbt die Stimmung einer Wohnung.
Sehenswerte Sendungen werden zu publikumsfreundlichen Zeiten ausgestrahlt bzw. durch eine Flut von Werbeblöcken zerhackt.
Langweilig, dumm, oberflächlich, fehlender Inhalt, kritische Sendungen werden zunehmend mehr eingestellt.
Ich erkannte das Fernsehen als die minderwertigste Freizeitbeschäftigung überhaupt.
Regelmäßige „Glotzer" erkennen an sich eine gewisse Willensschwäche, sie ertragen keine Langeweile, fühlen sich immer ausgepowert und damit bereit, das Einschaltknöpfchen zu drücken.
Dümmliche Shows und Quiz' zur Hauptsendezeit laufen, anspruchsvolle Sendungen aber erst um Mitternacht, zeigen, für wie blöd die Programmmacher das Publikum halten.
Zitate zu Online-Medien:
Was soll ich im Internet, wo es direkt um mich herum soviel schöne, interessante Menschen und Dinge kennenzulernen gibt – flüchten?
Von der gepriesenen Interaktionsmöglichkeit samt benutzerdefinierten Filter keine Spur. Zudem halte ich das Medium per Telefon für zu teuer und zu langsam.
Leute entwickeln ein persönliches Verhältnis zu ihrem Computer?!? Voll daneben!
Als Unterhaltungsgerät (Spiele, Internet, Gequatsche etc.) führt der Computer oft zu sozialer Vereinsamung, ,Leben aus der Dose'.
Das Internet fördert die Entpersönlichung des Alltags und die Vereinsamung der Menschen – man unterhält sich nur mehr schriftlich, man begegnet niemandem mehr beim Einkaufen, man hält sich bedeckt, versteckt sich vor den anderen. Damit drohen elementare humane Werte verloren zu gehen.
Zitate zum Radio:
Inzwischen bin ich davon überzeugt, daß Medien wie das Radio viel stärkere Auswirkungen aufs Seelenleben haben als man gemeinhin annimmt (egal welches Programm), schädlich sind und von dem Eigentlichen, nämlich der persönlichen Entwicklung, ablenken.
Dauernde Werbeberieselung, Moderationen auf unterstem Niveau verblöden.
Fast nur Werbung. Unsäglich blöde Beiträge und Moderatoren. Vollkommene Passivität. Totale Überlastung und innerhalb kürzester Zeit kommt ein Batzen von allem möglichen Käse an, der unwidersprochen bleibt. Nur Mittelmaß als Maßstab, um möglichst viele Menschen zu beglücken.
Ich empfinde Arbeitsplätze mit Radio und/oder Fernsehberieselung ähnlich belastend wie Arbeitsplätze, in denen geraucht wird.
Zitate zu Zeitungen:
Tageszeitung vermeide ich aus Zeit- und aus Umweltgründen – jeden Tag so viel Papier für eine einzige Person ist ja Wahnsinn.
Tageszeitung lese ich aus Zeitmangel nicht und weil ich das meiste Neueste am Tag vorher in den Nachrichten gehört habe.
Tageszeitung: Zu viel ungebetenes Input für meinen Kopf, für einen Tag. Zu unausgewogen: hauptsächlich negative Nachrichten. Raubt einem wie
TV-Nachrichten die Kraft: „Eh alles Scheiße".
Zitate zu Zeitschriften:
Zeitschriften sind zu grell, zu bunt, zu plakativ, zu wenig informativ (allgemein zu wenig Text), zu sehr „zeitgeistabhängig"
Die Aufmachung der meisten Zeitschriften ist kaum zu unterscheiden.
Gesellschaftsdiktat!, immer wieder die gleichen Themen anders aufgebrüht (gähn!)
Auslöser für die Verweigerung (meist TV):
Seit dem Auszug bei meinen Eltern vor 4 1/2 Jahren, habe ich keinen Fernseher mehr, aber stattdessen eine höchst kommunikative Studenten-WG. Habe bemerkt, wieviel Zeit ich früher vor der Glotze gesessen bin und was man stattdessen unternehmen kann.
Konkreter Auslöser: Ein freier Tag, an dem ich ca. 15 Stunden am Stück Fernsehen geschaut hatte, bis ich mich zum Schluß selbst „angekotzt" habe und erst den Fernseher ausgesteckt und unter den Tisch verbannt habe und ihn nach einigen Monaten, in denen nur selten die Versuchung gesiegt hatte, ganz rauswarf. Nicht viel später ging es dem Radio ebenso.
Auslöser war ein Umzug und die Lebensgefährtin, die seit fast 10 Jahren keine Glotze hat.
Da noch genügend Anziehungskraft bestand, haben wir uns gegen TV entschieden und angefangen, unsere Freizeit miteinander aktiv zu gestalten. Dadurch haben wir alle wieder zueinandergefunden.
Vor einem Jahr stellte ich erschrocken fest, daß ich mich nach einem Fernsehabend, nach Ausschalten der Kiste, noch nicht mal an den letzten Film, geschweige denn, an andere Sendungen des abendlichen Programms erinnere. Seitdem habe ich „abgeklemmt" und mir fehlt nichts.
Aus der Diplom-Arbeit „Medienverweigerer – Eine explorative Studie zu Formen des bewußten Medienverzichts" am Institut für Kommunikationswissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München von Uschi Braun.